Das Internet soll für alle zugänglich sein. Das bedeutet mehr als nur technische Barrieren zu beseitigen. Es erfordert auch, dass Inhalte für jede Person verständlich sind. Genau das ist das Ziel der Leichten Sprache – auf Französisch als FALC (Facile à Lire et à Comprendre) bezeichnet.
In Luxemburg haben viele Menschen Schwierigkeiten, offizielle Kommunikation, Websites oder Verwaltungsdokumente zu verstehen. Die Gründe sind vielfältig: intellektuelle Beeinträchtigung, Legasthenie, hohes Alter, unzureichende Sprachkenntnisse, Stress oder kognitive Überlastung.
In diesem Artikel erläutere ich, was Leichte Sprache ist, warum sie für Ihre Organisation strategisch wichtig ist und wie Key4.lu Sie bei der Umsetzung unterstützt.
Was ist Leichte Sprache? Definition und Bedeutung in Luxemburg
Leichte Sprache – eine europaweit anerkannte Methode
Leichte Sprache ist eine Methode, die darauf abzielt, Standardtexte in vereinfachte, leicht verständliche Sprache zu übertragen. Sie macht Informationen klarer und verständlicher – und ist nützlich für alle, insbesondere für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, Legastheniker, ältere Menschen und Personen mit geringen Sprachkenntnissen. Damit ein Text offiziell als Leichte Sprache gilt, muss er von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung gegengelesen und für verständlich befunden worden sein.
Leichte Sprache geht über einen einfachen Redaktionsstil hinaus. Sie folgt einem präzisen Regelwerk: kurze Sätze, geläufiges Vokabular, eine Aussage pro Satz, unterstützende Illustrationen. Für die deutsche Leichte Sprache legt die DIN SPEC 33429 den Rahmen fest – es handelt sich technisch um eine Spezifikation (Empfehlung), also eine Normempfehlung, keine offizielle Norm im strengen Sinne. Für die Einfache Sprache gilt die ISO-Norm 24495-1.
Die luxemburgische Realität: eine besondere Mehrsprachigkeit
Luxemburg nimmt in Europa eine einzigartige Stellung ein. Vier Sprachen prägen den öffentlichen Raum – Luxemburgisch, Französisch, Deutsch und Englisch. Diese Vielfalt erhöht das Risiko kommunikativer Ausgrenzung erheblich.
Klaro arbeitet in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für die luxemburgische Sprache (ZLS) an der Entwicklung von Regeln für eine luxemburgische Leichte Sprache. Im Rahmen eines Förderaufrufs des Digitalisierungsministeriums wurde 2024 ein Projekt ausgewählt, das ein KI-gestütztes Werkzeug zur Erstellung von Leichter Sprache entwickeln soll – alle Texte erfordern jedoch nach wie vor eine menschliche Überprüfung vor der Freigabe.
In Luxemburg koexistieren beide Varianten und ergänzen sich gegenseitig. Die Leichte Sprache auf Deutsch ist nach wie vor sehr präsent – insbesondere weil die Prüfgruppe des Ateliers isie hauptsächlich in dieser Sprache arbeitet. Das FALC auf Französisch gewinnt mit dem Wachstum der frankophonen Bevölkerung an Bedeutung, und Klaro empfiehlt, beide Versionen anzubieten, wenn die Zielgruppe dies rechtfertigt.
Was das luxemburgische Recht vorschreibt
Zwei Gesetze bilden den rechtlichen Rahmen in Luxemburg:
- Das Gesetz vom 28. Mai 2019 verpflichtet alle öffentlichen Einrichtungen, ihre Websites und mobilen Anwendungen barrierefrei zu gestalten. Die Verständlichkeit der Inhalte ist ausdrücklich Teil dieser Anforderung.
- Das Gesetz vom 8. März 2023, die luxemburgische Umsetzung der europäischen Richtlinie 2019/882 (European Accessibility Act), weitet diese Pflichten auf private Unternehmen aus. Online-Inhalte und gedruckte Unterlagen müssen verständlich sein, also in einer klaren und einfachen Sprache verfasst werden.
Die konkreten Vorteile der Leichten Sprache für Ihre Organisation
Ein breiteres Publikum erreichen
In Europa leben 87 Millionen Menschen mit einer Beeinträchtigung. In Luxemburg ist ein bedeutender Teil der Bevölkerung betroffen – ältere Menschen, Personen mit kognitiver Beeinträchtigung, neu zugezogene Einwohner im Spracherwerb.
Inhalte in Leichter Sprache richten sich nicht ausschließlich an Menschen mit Beeinträchtigung. Sie kommen allen zugute, die unter Druck stehen, müde sind oder wenig vertraut mit Ihrem Fachgebiet sind. Fachleute für Barrierefreiheit nennen dies den „Curb-Cut-Effekt“: Eine Lösung, die für extreme Fälle entwickelt wurde, verbessert die Erfahrung aller.
Missverständnisse und Fehler vermeiden
Im Gesundheits-, Sozial-, Verwaltungs- und Finanzbereich kann das Unverständnis eines Dokuments schwerwiegende Folgen haben. Ein falsch verstandener Beipackzettel, ein fehlerhaft ausgefülltes Formular, ein ignoriertes Wahlschreiben – das sind vermeidbare Situationen.
Ein klarer Text reduziert Rückfragen, Bearbeitungsfehler und die damit verbundenen menschlichen und administrativen Kosten.
Gesetzliche Pflichten erfüllen und Sanktionen vermeiden
Das Gesetz zur Umsetzung des European Accessibility Act sieht die Möglichkeit vor, ein nicht konformes Produkt oder eine Dienstleistung vom Markt zu nehmen, und listet administrative sowie strafrechtliche Sanktionen auf.
Leichte Sprache einzusetzen ist keine bloße Best Practice mehr. Es ist eine Verpflichtung, deren Nichteinhaltung erhebliche Folgen haben kann.
Ihr Image und Ihre Positionierung stärken
Eine Organisation, die klar kommuniziert, vermittelt Vertrauen. Sie zeigt, dass sie ihre Gesprächspartner respektiert. In einem Kontext wachsenden Misstrauens gegenüber Institutionen ist sprachliche Klarheit ein starkes Signal für Bürgernähe und ethisches Engagement.
Für Vereine, Sozialorganisationen und öffentliche Einrichtungen ist dies auch eine Frage der Kohärenz mit den Inklusionswerten, für die sie eintreten.
So unterstützt Key4.lu Sie bei der Umsetzung barrierefreier Webinhalte
Ich arbeite seit mehreren Jahren im Bereich digitale Barrierefreiheit in Luxemburg. Mein Ansatz verbindet technisches Fachwissen mit redaktioneller Kompetenz. Um jedoch das FALC-Piktogramm zu verwenden, das bestätigt, dass ein Text in Leichter Sprache verfasst ist, müssen bestimmte Grundsätze eingehalten werden.
Die grundlegenden Prinzipien der Leichten Sprache
Leichte Sprache zu schreiben erfordert mehr als einen vereinfachten Stil. Der Text muss grundlegend umstrukturiert werden: Überflüssiges entfernen, fehlenden Kontext ergänzen, jede Aussage neu formulieren. Rechnen Sie mit etwa 2 Stunden Arbeit für 500 Wörter – deutlich mehr als bei gewöhnlichen Texten.
Die wesentlichen Regeln betreffen vier Ebenen:
- Wortschatz: geläufige Wörter, sofortige Erklärung von Fachbegriffen, keine Abkürzungen, ein Wort für eine Sache.
- Sätze: kurz, eine Aussage pro Satz, Aufbau Subjekt–Verb–Objekt, aktive Sprache, bejahende Formulierungen.
- Struktur: Wichtiges zuerst, ein Absatz = eine Idee, klare Zwischentitel, konkrete Alltagsbeispiele.
- Layout: linksbündiger Text, serifenlose Schrift, großzügiger Zeilenabstand, keine Silbentrennung, keine Kursivschrift, Bilder und Piktogramme zur Bedeutungsunterstützung.
Ein kurzes Beispiel: Ursprünglicher Satz: „Der monatliche Kontoauszug ermöglicht die Verfolgung der Saldobewegung.“ In Leichter Sprache: „Jeden Monat bekommen Sie einen Kontoauszug. Darin sehen Sie, wie viel Geld noch auf Ihrem Konto ist.“
Ihren Text professionell übersetzen und prüfen lassen
Ein in Leichter Sprache verfasster Text muss von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung gegengelesen werden, bevor er das offizielle Logo von Inclusion Europe tragen darf. Dieses Logo ist das europaweit anerkannte Qualitätszeichen.
In Luxemburg läuft dieser Prozess über Klaro, die offizielle Kompetenzstelle für Leichte Sprache, die der APEMH angegliedert ist. Klaro leitet Texte an das Atelier Isie weiter, dessen Mitarbeitende – Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, die für diese Arbeit vergütet werden – prüfen, ob der Text wirklich verständlich ist, und Verbesserungen vorschlagen. Ein Austausch zwischen Autoren und Prüfern ist oft erforderlich. Eine zweite Überarbeitung kann notwendig sein, wenn wesentliche Änderungen vorgenommen werden.
Für Texte im Tourismusbereich ist die Prüfgruppe Op der Schock eine Alternative.

Über mich
Ich bin Gérard Kieffer, Experte für digitale Barrierefreiheit und vom Bildungsministerium genehmigter IT-Ausbilder. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Webentwicklung bringe ich Fachwissen und Leidenschaft für die digitale Welt in jedes Projekt – und in meinen Schulungen zu digitalen Barrierefreiheit – ein.
Für mich geht Barrierefreiheit über die bloße Einhaltung technischer Standards hinaus. Durch meine Arbeit mit Menschen mit Behinderungen und im Bereich der interkulturellen Inklusion verstehe ich, für wen wir barrierefreie Kommunikation schaffen und wie wichtig sie für die Teilhabe aller am täglichen Leben ist.
FAQ – Häufige Fragen zur Leichten Sprache in Luxemburg
Was ist der Unterschied zwischen Leichter Sprache und Einfacher Sprache?
Die Leichte Sprache ist das zugänglichste Niveau. Sie folgt strengen Regeln: kurze Sätze (Leitfäden empfehlen im Allgemeinen nicht mehr als etwa zehn Wörter), eine Aussage pro Satz, Illustrationen obligatorisch, Gegenlesung durch Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung.
Die Einfache Sprache ist weniger streng. Sätze dürfen bis zu 25 Wörter enthalten, Genitiv ist erlaubt, Fußnoten ebenfalls. Sie entspricht dem Niveau B1. Sie ist leichter zu produzieren, aber nicht für alle zugänglich, die Leichte Sprache benötigen. Beide Ansätze ergänzen sich – sie sind nicht austauschbar.
Ist Leichte Sprache in Luxemburg verpflichtend?
Direkt gesehen: nein – kein Gesetz schreibt ausdrücklich die Verwendung von Leichter Sprache vor. Mittelbar jedoch: ja. Das Gesetz vom 8. März 2023 verlangt, dass Online-Inhalte und gedruckte Unterlagen verständlich sind, also in einer klaren und einfachen Sprache verfasst werden. Diese Pflicht gilt für Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitenden oder einem Jahresumsatz von über 2 Millionen Euro. Für öffentliche Einrichtungen gilt das Gesetz vom 28. Mai 2019, das seit 2020 in Kraft ist.
Welche Organisationen in Luxemburg bieten FALC-Gegenlesungen an?
In Luxemburg gibt es derzeit zwei Prüfgruppen für Leichte Sprache: das Atelier isie der APEMH (Gegenlesung von Texten auf Deutsch, Französisch und Englisch) und die Prüfgruppe Op der Schock, spezialisiert auf den Tourismusbereich. Das CC-CDI verfügt ebenfalls über einen Dienst für Leichte Sprache, der jedoch ausschließlich für den schulischen Bereich zugänglich ist. Die Gegenlesung durch diese Gruppen ist unerlässlich, um das offizielle Logo von Inclusion Europe auf Ihren Dokumenten anbringen zu dürfen.
Welche Art von Inhalten kann in Leichte Sprache übersetzt werden?
Nahezu alles. Die häufigsten Anwendungsbereiche in Luxemburg betreffen Verwaltungsdokumente, Wahlschreiben, Informationsbroschüren im Sozialbereich, Beipackzettel, institutionelle Websites und Schulungsmaterialien. Guichet.lu bietet bereits Informationen in Leichter Sprache zu Barrierefreiheit, Finanzhilfen, Familie, Wohnen, Gesundheit, Verkehr und Arbeit an. Das ist ein Beispiel, dem jede Organisation, die mit der Öffentlichkeit in Kontakt steht, folgen kann.
Was ist das FALC-Logo und wie erhält man es?
Das FALC-Logo ist ein Qualitätszeichen, das von Inclusion Europe entwickelt wurde. Es bestätigt, dass der Text von mindestens einer Person mit intellektueller Beeinträchtigung gegengelesen und genehmigt wurde. Es ist europaweit anerkannt und hilft Personen, die es benötigen, zugängliche Inhalte sofort zu erkennen. Für die Nutzung des Logos ist keine vorherige Genehmigung von Inclusion Europe erforderlich, sofern die Publikation die Regeln der Leichten Sprache einhält und die Quelle nennt (« © European Easy-to-Read Logo: Inclusion Europe »). In der Praxis in Luxemburg ist der empfohlene – und für die Qualitätssicherung notwendige – Weg die Gegenlesung durch das Atelier isie der APEMH, dessen Mitarbeitende die eigentlichen Garanten der Textverständlichkeit sind.
Kann KI zur Erstellung von Inhalten in Leichter Sprache eingesetzt werden?
Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Texte zu vereinfachen oder eine erste Version zu erstellen. Ein im Rahmen eines Förderaufrufs des Digitalisierungsministeriums 2024 ausgewähltes Projekt zielt darauf ab, ein KI-Werkzeug für die luxemburgische Leichte Sprache zu entwickeln. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, aber alle Texte erfordern nach wie vor eine menschliche Überprüfung vor der Freigabe. Hinzu kommt: In einer ersten Phase wird dieses Werkzeug nur Regierungsstellen zur Verfügung stehen und für private Organisationen oder Vereine nicht zugänglich sein. KI ist ein Hilfsmittel, kein Ersatz für menschliche Expertise – und auch nicht für die Gegenlesung durch die Betroffenen selbst.
Wie lässt sich Leichte Sprache in meine digitale Kommunikationsstrategie integrieren?
Beginnen Sie damit, die wichtigsten Inhalte zu identifizieren: Startseite, Kontaktformulare, Serviceseiten, dringende Mitteilungen. Überarbeiten Sie diese Inhalte zuerst. Schulen Sie anschließend Ihre Teams, damit der Ansatz nachhaltig verankert wird. Integrieren Sie die Lesbarkeitsüberprüfung in Ihren Veröffentlichungsprozess – genauso selbstverständlich wie die Rechtschreibprüfung.
Fazit: Jetzt handeln – für alle Ihre Leser
Leichte Sprache ist keine zusätzliche Einschränkung. Sie ist eine Chance, Ihre Inhalte wirkungsvoller, inklusiver und konformer mit den gesetzlichen Anforderungen zu gestalten, die in Luxemburg gelten. Jeder vereinfachte Text bedeutet einen Leser mehr, der Ihre Botschaft versteht und entsprechend handeln kann.

