Digitale Barrierefreiheit verstehen

In den folgenden Abschnitten gehe ich auf einen häufig missverstandenen Punkt ein: Eine Website muss nicht an jeden individuellen Bedarf angepasst werden. Stattdessen zeige ich, was digitale Barrierefreiheit tatsächlich bedeutet, und gebe praktische Beispiele für die Nutzung einer barrierefreien Website.

Ein Ansatz, der eher auf Standards als auf Einzelfällen basiert

Das Ziel digitaler Barrierefreiheit ist nicht, möglichst viele spezielle „Barrierefreiheitsfunktionen“ einzubauen oder eine Website für jeden einzelnen Anwendungsfall individuell anzupassen. Entscheidend ist vielmehr die konsequente Einhaltung anerkannter Barrierefreiheitsstandards, insbesondere der WCAG. Nur so kann sichergestellt werden, dass eine Website mit unterschiedlichen assistiven Technologien, auf verschiedenen Geräten und in unterschiedlichen Nutzungssituationen zuverlässig funktioniert.

Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, nutzen in der Regel ihre eigenen Hilfsmittel, etwa Bildschirmlesegeräte, Vergrößerungssoftware, die Tastaturnavigation oder alternative Eingabegeräte. Diese Werkzeuge sind ihnen vertraut und auf ihre Bedürfnisse abgestimmt. Durch die Einhaltung der Standards wird gewährleistet, dass eine Website unabhängig vom jeweiligen Nutzungskontext zugänglich bleibt.

Konkrete Beispiele für die Nutzung einer barrierefreien Website

Eine barrierefreie Website kann je nach individuellen Bedürfnissen und eingesetzten Hilfsmitteln auf unterschiedliche Weise genutzt werden. Bei der Verwendung eines Bildschirmlesegeräts ist beispielsweise eine saubere Struktur entscheidend, damit Überschriften, Listen, Links und Formulare logisch und verständlich ausgegeben werden.

Auch die Tastaturnavigation ist ein grundlegender Aspekt. Eine barrierefreie Website ermöglicht es, alle interaktiven Elemente – etwa Menüs, Links, Schaltflächen und Formularfelder – vollständig und ausschließlich mit der Tastatur zu bedienen. Dabei ist eine logische und vorhersehbare Reihenfolge besonders wichtig.

Zur Barrierefreiheit gehört ebenso die visuelle Darstellung. Wenn eine sehbeeinträchtigte Person die Seite auf bis zu 400 % vergrößert, muss der Inhalt weiterhin gut lesbar und nutzbar bleiben. Inhalte dürfen nicht hinter den Bildschirmrändern verschwinden oder ein unnötiges horizontales Scrollen erfordern.

Nicht zuletzt spielt die übergeordnete Struktur eine zentrale Rolle. Eine klare Seitenorganisation, konsistente Menüs und aussagekräftige Überschriften helfen allen Nutzerinnen und Nutzern, mit oder ohne assistive Technologien, sich schnell zu orientieren und die gewünschten Informationen ohne unnötigen Aufwand zu finden.